Praxisgeschichte

Im 19. Jahrhundert gab es in Lemförde nur einen Arztsitz, der von der Bezirksregierung in Hannover besetzt wurde. Die Ärzte hatten ihre Praxis im "Doktorhaus" an der Doktorstraße, das von ihnen für ihre jeweilige Amtszeit gemietet wurde. Noch einige alte Lehrbücher aus dieser Zeit stehen in den Sprechzimmern der heutigen Praxis.

1908 kam Dr. Hermann Bräker nach Lemförde. Er wurde von der Reichsbahn auch als Bahnarzt bestellt. Viele ältere Lemförder Mitbürger können sich noch gut an seinen hintergründigen Humor erinnern. Als einer der Ersten fuhr er ein Auto. Von Lemförde wurden auch Oppendorf und Oppenwehe mitversorgt. Sprechstunde wurde in diesen Gemeinden zwei Mal pro Woche in den Gaststätten angeboten. Überwiegend wurden jedoch Hausbesuche angefordert. Die überwiegende Zahl der Patienten waren noch privat versichert, weil die Landwirte erst in den fünfziger Jahren sozialversichert wurden.

Fachärzte gab es in Bremen und Osnabrück. Aus diesem Grunde kappte Dr. Bräker Mandeln und war geburtsärztlich tätig.

1919 wurde die Lehrerwitwe Martha Berndt aus Lembruch, deren Ehemann im 1. Weltkrieg als vermisst gemeldet wurde, seine Haushälterin und Sprechstundenhilfe. Als 2. Frau im Kreis Diepholz erwarb sie den Führerschein.

1936 wurde das Haus an der Bahnhofstraße Nr. 14 gebaut und der Praxissitz dorthin verlegt.

1942 starb Dr. Bräker und damit war in Kriegszeiten der Praxissitz vakant.

Die Tochter von Martha Berndt Else heiratete 1944 den Chirurgen Dr. Oskar Meyerrose. Nach Kriegsende und Gefangenschaft eröffnete er 1946 die Praxis neu. Er modernisierte die Praxis durch den Kauf eines Röntgengerätes und „seines Mercedes" - einen Maquet  Operationstisch, der auch in der neuen Praxis, Bahnhofstraße Nr. 6,  immer noch seinen Dienst tut.

Fachärzte gab es nun auch schon in Diepholz. Dennoch waren die Anforderungen sehr breit gestreut. Die Sprechstunde nahm einen immer breiteren Raum ein. Herr Dr. Meyerrose und seine Frau konnten die Arbeit zu zweit noch gut bewältigen.

Neben seiner Arbeit war er besonders aktiv als Cellist im Musikverein und im ADAC Dümmer.

Da Lemförde nach dem Ende des zweiten Weltkrieges durch den Zuzug von Flüchtlingen aus den Ostgebieten wuchs, wurde ein zweiter Arztsitz im Ort von der Kassenärztlichen Vereinigung eröffnet. Diesen besetzte Dr. Schenk.

Im September 1972 starb Dr. Oskar Meyerrose. Die Praxis war wieder vakant.

Am 1.1.1978 eröffnete Ernst Völkening mit seiner Frau Eva, geborene Meyerrose, die Praxis erneut, wobei die gesamte untere Etage des Hauses umgebaut wurde. Ein EKG und eine moderne Laboreinrichtung wurden installiert. Die erste Laborassistentin war Helga Detering, später verheiratet mit Dr. Karl Wilhelm Meyerrose.

Die Praxis wuchs relativ schnell, sodass ab 1981 ständig Fortbildungsassistenten für Allgemeinmedizin beschäftigt wurden.

Besondere Schwerpunkte waren der Patient und die Familie mit ihren Konflikten, sowie der Patient       in der moderner werdenden Medizin. Das Spektrum der therapeutischen Möglichkeiten wuchs mit den rasanten Forschungsfortschritten. Chirurgische und gynäkologische Behandlungen wurden neben der üblichen allgemeinärztlichen Tätigkeit angeboten.

1988 gründeten Ernst Völkening und Dr. Karl Wilhelm Meyerrose eine Gemeinschaftspraxis. Als Schwerpunkte kamen urologische und kardiologische Diagnostik und Therapie hinzu.

Die Praxis nahm an Umfang zu, sodass Frau Dr. Kristin Bertram 1990 als dritte Ärztin in die Praxis eintrat. Sie übernahm überwiegend die Besuchstätigkeit.

Wegen Erkrankung von Dr. Meyerrose kam Frau Ludmilla Hartwich am 1.9.1999 in das Praxisteam. Sie übernahm, zusammen mit Frau Dr. Bertram, am 1.4.2000 den Praxisteil von Herrn Meyerrose. Frau Hartwich bringt reichhaltige Kenntnisse in Akupunktur und Homöopathie in das Therapiespektrum ein.

Ende 2000 scheidet Herr Dr. Meyerrose endgültig aus der aktiven ärztlichen Versorgung aus.

Am 31.12.2008 übergibt Ernst Völkening seinen Praxisanteil an Markus Detert und beendet nach 31 Jahren seine ärztliche Tätigkeit in Lemförde.

Am 1.4.2011 bezieht das Praxisteam die Räumlichkeiten der Bahnhofstraße Nr. 6, in denen der Praxisbetrieb bis heute läuft.

 

Aufgezeichnet durch Ernst Völkening